Berliner Expert:innengespräche HR
Eine kurze Rückschau
Am 13. und 14. März war es wieder so weit. In Räumen der ESCRIBA trafen sich Expert:innen aus dem HR-Umfeld, um sich über aktuelle Themen auf der BEX HR auszutauschen.
Dabei ging es auch um neue Technologien in HR, aber der Schwerpunkt lag diesmal auf einem anderen Gebiet. Die Nachwirkung der Bundestagswahl war noch bei allen Teilnehmenden zu spüren und daher ging es um die Frage: „Wie geht man eigentlich mit Mitarbeitende um, die selbst extreme Positionen einnehmen und auch im Unternehmen äußern?“.
Fakt ist, dass eben nicht jeder, der extreme Parteien wählt und sich kritisch gegenüber dem Mainstream äußert gleich in eine bestimmte politische Ecke gesteckt werden kann. Fakt ist auch, dass wohl schon jeder von uns das ein oder andere Mal am System gezweifelt hat. Und es ist auch Fakt, dass eine rechtsextreme Partei über 20 % der Stimmen in einer Bundestagswahl erhalten hat.
Was also tun? Denn wenn jeder 5. Wahlberechtigte AfD wählt, werden auch AfD Wähler:innen in unseren Unternehmen tätig sein. Wie kommt man mit Menschen ins Gespräch, die offensichtlich den Glauben in unser System verloren haben? Denn ich kann und will nicht glauben, dass das alles Extremisten sind. Ich bin eher davon überzeugt, dass gebrochene Wahlversprechen, bewusste Lügen von Politiker:innen und das Wirtschaften in die eigene Tasche dazu geführt hat, dass man „gegen die da oben“ wählt. Wir Personaler wissen, dass Entscheidungen nicht im Kopf auf Basis von Fakten getroffen werden, sondern hauptsächlich auf Basis von Emotionen. Genau diese Emotionen werden von Populisten bedient und machen sie so erfolgreich. Was kann man also dagegenstellen?
Meine spontane Idee war faktenbasierter Populismus. Was das ist? Na, ich würde gern Fakten so simpel und einfach verpacken, dass sie Emotionen wecken und möglichst leicht verstanden werden. Unser Problem ist doch häufig, dass wir stundenlang erklären wie, was miteinander zusammenhängt und warum man daher dieses oder jenes tun muss. Keiner versteht am Ende mehr um was es geht. Dann kommt eine sehr einfache (allerdings nie funktionierende) scheinbare Lösung für ein Problem und schon sind mehr oder weniger alle dafür. Wir haben häufig die intellektuelle Lufthoheit, sind damit aber nicht erfolgreich. Warum? Weil uns die meisten nach kurzer Zeit gar nicht mehr zuhören. Es ist viel zu kompliziert und das will keiner. Sicher, die Welt ist komplex und die Lösungen von Problemen auch, aber das will eben keiner mehr hören. Darüber hinaus hat die Vergangenheit gezeigt, dass Verantwortliche in Top Positionen zu oft zur Selbstbedienung neigen.
Um hier die Stimmung kippen zu können, müssen wir in den Dialog mit den kritischen Menschen kommen und sie nicht als Rechtsaußen abtun. Wir müssen komplexe Dinge einfach rüberbringen, populistisch eben. Wir dürfen uns nicht in aufwendigen Erklärungsversuchen verzetteln, sondern Dinge auf den Punkt bringen und dabei eben auch ehrlich sein.
Was sich jetzt gerade nach der Wahl abspielt, ist leider das genaue Gegenteil. Leute, die gegen eine Reform der Schuldenbremse gewettert haben, wollen jetzt die größte Neuverschuldung in der Geschichte der Bundesrepublik. Es soll nicht gespart, sondern fröhlich verteilt werden. Das wird leider immer mehr Menschen am System zweifeln lasse und in populistische Hände treiben.
Gerade Unternehmen haben hier eine gesellschaftliche Verantwortung. Auch im eigenen Interesse müssen Unternehmen sich daher klar und deutlich positionieren und auch oder vor allem die kritischen Stimmen in den eigenen Reihen ernst nehmen und mit Ihnen in den Dialog treten.
Die Diskussionen auf der BEX HR hierzu waren hochspannend. Ich bin gespannt, wie sich HR-Bereiche hier als Wegbereiter positionieren können. Das wäre tatsächlich mal eine strategische Aufgabe für HR.